Jäger oder Fluchttier - was bin ich wann?
- Christine Steiner
- vor 6 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Gilt die alte Logik noch: Wo Gefahr ist, wird gejagt und geflüchtet? Oder schreiben wir die Geschichten neu?
Drei Rehe halfen mir diese Woche, mich selbst zu beobachten. Sich selbst beobachten zu können, ist ein Geschenk, das uns Menschen innewohnt.
Die Sonne scheint, ich bike – abwärts – mit Bio-Bike. Ich sehe ein Reh und bremse. Das Reh springt weg. Ich bremse weiter, denn meist ist da ein Zweites. Da sehe ich es. Es möchte umdrehen und losrennen, hält jedoch inne und schaut mich an. Mittlerweile bin ich sehr langsam. Das zweite Reh hüpft dem ersten Reh nach.
Zügig, jedoch ohne Druck.
Ich freue mich innig, dass es nicht voller Panik in die entgegengesetzte Richtung davongerannt ist. Ich frage mich, wie viel Energie das zweite Reh wohl gespart hat, weil ich langsam war.
Wenige Tage später.
Ich sitze auf unserem Waldplatz. Ich plane gerade, zum Waldzelt zu gehen, da sehe ich ein Reh. Es nährt sich an den saftigen Brombeersträuchern. Was für ein schönes Bild, so ein fressendes Reh im Wald.
Aus Respekt, es könnte davonrennen – unser Waldstück ist klein – bleibe ich auf meinem Platz. Der Wald gehört in diesen Stunden dem Reh.
Ich nehme mich zurück.
Das ist meine erste natürliche Reaktion. Meine grundsätzliche Energie ist also eher ruhig, erstmal beobachten und wenn möglich, in meiner goldenen Mitte bleiben.
Ist dem meist so? Oder kann ich an Situationen denken, in denen ich eher jagend bin oder eher flüchtend? Eher Jäger oder eher Fluchttier?
Solche Gedankenspiele nenne ich gesunde Selbstgespräche. Sie nähren meinen Geist, stärken meine Selbsterkenntnis und helfen mir, meine Umgebung wertzuschätzen.
Diese Geschichte erinnert mich an die VIA Charakterstärke: Bescheidenheit.
Sich selbst zurücknehmen, offen bleiben für andere Perspektiven und anerkennen, dass wir nie aufhören, uns selbst kennenzulernen.
In welchen Situationen sind sie eher jagend? Und wann eher flüchtend? Melden sie sich, falls wir miteinander ihre Selbstgespräche beobachten dürfen.



